KI und Schweigepflicht: Erst klären, wohin die Akte geht

Eine Hausarztpraxis will Arztbriefe zusammenfassen lassen. Eine Kanzlei sucht in 200 Seiten Schriftverkehr nach einer Frist. Ein Steuerbüro sortiert Belege vor. Technisch ist das gelöst. Offen bleibt eine Frage: Wohin wandert dabei die Akte?

Die kurze Antwort: Bei KI und Schweigepflicht zählt der Weg der Daten. Ärzte, Anwälte und Steuerberater können KI heute so einsetzen, dass die Akte im eigenen Haus bleibt, auf Wunsch ganz ohne Internet. Teuer ist das nicht: In unserem Betrieb kostet die Textmenge für einige hundert Arztbriefe weniger als einen Euro.

Wer KI in Praxis oder Kanzlei einsetzt, muss den Weg jeder Akte kennen.

Warum ChatGPT und Co. für Praxen und Kanzleien heikel sind

Ärzte, Anwälte, Steuerberater und Notare unterliegen der Schweigepflicht. Wer anvertraute Geheimnisse unbefugt weitergibt, macht sich strafbar (§ 203 StGB). Externe Dienstleister dürfen nur mitlesen, wenn sie selbst zur Verschwiegenheit verpflichtet sind und nur das Nötige sehen.

Bei den bekannten KI-Diensten ist das kaum zu belegen. Wer dort einen Arztbrief hochlädt, schickt ihn in ein fremdes Rechenzentrum, meist bei einem US-Anbieter. Nach US-Recht können amerikanische Behörden auch auf Daten zugreifen, die in Europa liegen. Die Antworten dieser Dienste sind gut. Für eine Patientenakte reicht das trotzdem nicht.

Die Lösung: Die KI kommt zur Akte

Der Ansatz dreht die Richtung um. Die KI läuft dort, wo die Akte liegt: auf einem Rechner in der Praxis oder Kanzlei. Wie viel davon nach draußen geht, entscheidet man selbst, in drei Stufen.

  • Stufe 1, alles im Haus. Die KI läuft auf einem eigenen Rechner im Büro, etwa einem Mac Studio. Sie braucht kein Internet. Die Akte verlässt das Gebäude nie.

  • Stufe 2, gerechnet wird außer Haus. Die Akte bleibt auf dem eigenen Rechner. Das Programm sucht darin die Stellen, die zur Frage passen, und schickt nur diese Auszüge an einen Server in Deutschland. Dort entsteht die Antwort, gespeichert wird nichts. Man zeigt also einen Absatz, nie die ganze Akte. Ein besonders starker Rechner im Büro ist dafür überflüssig.

  • Stufe 3, alles im Browser. Akte und KI liegen auf einem Server in Deutschland, dessen Betreiber vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Gearbeitet wird im Browser, ohne Installation.

Je höher die Stufe, desto mehr verlässt das Haus. Auf Stufe 1 ist es nichts.

Welcher Fall gehört auf welche Stufe?

Die Stufe wählt man je Fall. Ein Befundbericht mit Diagnose gehört auf Stufe 1. Eine Frage zur neuen Reisekostenregel betrifft keinen Patienten und keinen Mandanten. Sie darf auf Stufe 2 oder 3.

In der Kanzlei bleibt der Schriftsatz mit Namen und Sachverhalt im Haus. Die Recherche zur aktuellen Rechtsprechung darf raus, weil sie niemanden betrifft. Im Steuerbüro bleiben Belege und Bescheide auf Stufe 1, die Frage nach einer geänderten Abschreibungsregel darf raus.

Für den Wechsel zwischen den Stufen braucht es kein neues Programm. Man startet im Haus und holt später Rechenleistung von außen dazu, oder umgekehrt. So muss niemand einem Anbieter blind vertrauen.

Die Technik dahinter

Kern ist ein offenes KI-Modell, also eines, das man herunterladen und selbst betreiben kann. Wir nutzen Qwen 27B. Die 27B stehen für rund 27 Milliarden Parameter, ein Maß für die Größe des Modells. Es ist kleiner als die Modelle hinter den bekannten Cloud-Diensten und läuft deshalb auf einem guten Bürorechner oder in Rechenzentren in Deutschland.

Den Rechenschritt, in dem das Modell eine Antwort erzeugt, nennt man Inferenz. Gemessen wird er in Tokens, den Textbausteinen, in denen KI liest und schreibt. Unsere Zahlen aus dem Betrieb: Für 125 Millionen Tokens haben wir 85 Euro bezahlt, eingekauft beim Inferenzanbieter Weber.Cloud. Das sind 68 Cent je Million Tokens. Inzwischen gibt es weitere Anbieter dieser Art.

Was heißt das konkret? Eine Million Tokens sind grob eine halbe Million Wörter. Damit lassen sich einige hundert zweiseitige Arztbriefe lesen und zusammenfassen. Für 68 Cent.

Große Zahl: 68 Cent je Million Tokens, grob eine halbe Million Wörter. Daneben die Rechnung: 85 Euro für eingekaufte Rechenleistung geteilt durch 125 Millionen Tokens. Quelle Fleet Data, eingekauft bei Weber.Cloud.

85 Euro für 125 Millionen Tokens, also 68 Cent je Million. Das reicht für einige hundert Arztbriefe.

Wo es nicht passt

  • Ohne vertrauliche Daten sind die großen Cloud-Dienste bequemer. Bei langen, verschachtelten Analysen sind sie einem kleineren Modell meist voraus.

  • Ein eigener Rechner will betreut werden. Updates, Datensicherung, Ausfälle: Das übernimmt jemand im Haus oder ein Dienstleister. Ein einzelner Rechner bedient außerdem nur wenige Nutzer gleichzeitig.

  • Ab Stufe 2 verlässt etwas das Haus. Auch ein Auszug kann einen Namen enthalten. Die Zusage, nichts zu speichern, gehört dann in den Vertrag: Verschwiegenheitsvereinbarung und Auftragsverarbeitungsvertrag. Ein Rest Vertrauen bleibt.

  • Arztpraxen sind derzeit mit Stufe 1 auf der sicheren Seite: Patientendaten verlassen das Haus nicht. Lösungen außer Haus speziell für Praxen sind in Vorbereitung.

  • Rechtsberatung ersetzt das nicht. Welche Stufe für welchen Fall zulässig ist, klärt man mit Kammer oder Datenschutzbeauftragten.

Erst der Datenweg, dann das Modell

Über KI in Praxis und Kanzlei wird meist gestritten, welches Modell am klügsten ist. Berufsgeheimnisträger fangen woanders an: bei der Frage, wer ihre Daten sieht. Wer sie für jeden Fall beantworten kann, kann morgen anfangen.

So setzen wir es um: Fleet Navigator

Bei der Fleet Data & System Consulting UG in Gelsenkirchen haben wir die drei Stufen als Fleet Navigator gebaut. Die Light-Edition für Stufe 1 ist dauerhaft kostenlos und läuft auf handelsüblichen Rechnern. Stufe 2 heißt fleet:de: Gerechnet wird in Deutschland, ohne US-Anbieter dazwischen, abgerechnet nach Minuten. fleet:de ist derzeit in der Testphase. Stufe 3 ist Fleet Navigator Web auf unserem eigenen Server im Ruhrgebiet. Für Stufe 2 und 3 gibt es ein gemeinsames Konto mit 20 Euro Startguthaben.

Die Technik dahinter bieten wir auch anderen Anbietern an, die selbst KI-Rechenleistung aus Deutschland anbieten wollen.

Autorenkarte Franz-Martin Herstell, Gründer und CTO der Fleet Data & System Consulting UG, mit Kontakt info@fleet-data.de und Website fleet-navigator.app.

Franz-Martin Herstell, Gründer und CTO, Fleet Data & System Consulting UG

Verbindungen

Offenlegung: Franz-Martin Herstell ist Gründer und CTO der Fleet Data & System Consulting UG, die Fleet Navigator entwickelt und verkauft. Zwischen Fleet Data und KI-MS besteht keine geschäftliche Verbindung.

Franz-Martin Herstell

CTO & Gründer Fleet Data & System Consulting UG | Lokale KI für deutsche Mittelständler | Java-Legacy-Systeme: verstehen, erhalten, mit KI erweitern

https://www.fleet-data.de/
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